An dieser Stelle bot fcenergie.de die tägliche „Presseschau“ an. Zur Wahrung des Urheberrechts und nach ausdrücklicher Aufforderung kommen wir ab sofort nicht umhin, diesen Service in der bisherigen Form einzustellen. Dennoch bleibt das Pressing als Rubrik erhalten, beschränkt sich jedoch aus genannten Gründen auf Beiträge unserer ortsansässigen Tageszeitung. Bei der Lausitzer Rundschau bedanken wir uns für die gute Kooperation.
Cottbus. Kolja Afriyie hat einen ungewöhnlichen Weg in die 2. Bundesliga gewählt. Der Neuzugang von Energie Cottbus wechselte vom Hamburger SV nach Dänemark. Nun soll der Deutsch-Ghanaer für frischen Wind auf der FCE-Außenbahn sorgen – Coach Wollitz bezeichnet ihn schon jetzt als „Waffe“.
Am Fuße der restaurierten Mühle in Herzlake-Aselage fühlte sich Kolja Afriyie ein bisschen wie zu Hause. Denn der 28-Jährige wurde in Norddeutschland geboren, wo Energie eine Woche lang sein Trainingslager-Quartier aufgeschlagen hatte. Von Flensburg aus wechselt Afriyie damals zum Hamburger SV. Der talentierte Nachwuchskicker muss dort jedoch mit dem Amateurteam Vorlieb nehmen. Zu wenig für seine ehrgeizigen Ansprüche, deshalb beschließt Afriyie, nach Dänemark zu gehen. Ein aus seiner Sicht logischer Schritt, denn: »Dort konnte ich sofort bei den Profis spielen.« Und, dass ein Flensburger nach Dänemark wechselt, sei schließlich nicht ungewöhnlich. »Mit der Familie sind wir immer nach Dänemark in den Urlaub gefahren. Außerdem haben wir in der Schule die dänische Sprache gelernt.« Insgesamt zehn Jahre verbringt Afriyie in Dänemark. Zehn Jahre, in denen er nicht nur seine Profi-Karriere Schritt für Schritt vorantreibt, sondern die ihn auch als Mensch geprägt haben. Sein Herz schlägt für Deutschland, Ghana und natürlich auch für Dänemark.
Afriyie, der Deutsche: »Ich habe 19 Jahre hier gelebt, ich fühle mich als Deutscher. Ich habe viele deutsche Freunde und lese deutsche Bücher«, sagt der FCE-Neuzugang. Er hatte in der Sommerpause Anfragen von Clubs aus Deutschland und den Niederlanden. Afriyie entschied sich für Deutschland, weil er hier unter Beweis stellen möchte, was er in Dänemark gelernt hat. Schon im Winter wollte ihn Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz nach Cottbus holen. Damals scheiterte der Transfer, nun ließ ihn der FC Midtjylland nach zähem Ringen für eine geschätzte Ablöse von 150 000 Euro ziehen.
Afriyie, der Däne: In den zehn Jahren hat er in Dänemark Land und Leute schätzen gelernt. Vor allem das soziale Netz beeindruckte den Profikicker. »Es gibt dort insgesamt weniger Armut. Vor allem für die Kinder wird sehr viel getan. Turnhallen beispielsweise sind in Dänemark nie abgeschlossen, damit man sie zu jeder Zeit nutzen kann«, berichtet Afriyie. Außerdem schwärmt er von einer »top Lebensqualität« mit Haus am Meer. Auch fußballerisch ging es Schritt für Schritt voran. Über die Stationen AC Horsens und Esbjerg fB landete Afriyie schließlich beim FC Midtjylland, wo er ein Jahr gemeinsam mit Dennis Sörensen spielte, bevor dieser nach Cottbus wechselte.
Afriyie, der Ghanaer: Seine Mutter ist Deutsche, sein Vater stammt aus Ghana. Er lebt inzwischen auch wieder dort, in der Hauptstadt Accra. Afriyie selbst war noch nie in Ghana. Er hat sich die Reise nach Afrika schon oft vorgenommen. Im nächsten Winter soll es endlich klappen. Denn sein Vater drückt ihm natürlich die Daumen. »Er ist ein echter Fußballfan. Während der zurückliegenden Weltmeisterschaft haben wir oft telefoniert«, schmunzelt Afriyie. Er war für Deutschland, sein Vater für Ghana. Da gab es nicht nur wegen des direkten Duells zwischen beiden Ländern in der Vorrunde viel zu diskutieren.
Afriyie, die »Waffe«: Energie-Trainer Wollitz ist vor allem von den Offensiv-Qualitäten des Rechtsverteidigers angetan. »Mit ihm haben wir auf der Außenbahn deutlich an Potenzial gewonnen«, betont Wollitz. Nach einem ordentlichen Einstand musste Afriyie im Trainingslager wegen einer Oberschenkel-Zerrung kürzer treten - ausgerechnet in seiner norddeutschen Heimat. Die Verletzung ist inzwischen jedoch auskuriert. Der Deutsch-Ghanaer hat sich vorgenommen, nach dem Umweg über Dänemark nun möglichst schnell in der 2. Bundesliga anzukommen.
Energie in Chemnitz
Der FCE tritt am Freitagabend um 18.30 Uhr beim Chemnitzer FC an. Offen ist bisher, ob Nils Petersen, Alexander Bittroff (muskuläre Probleme) und Daniel Ziebig (Knieprellung) mitspielen könne. Takahito Soma (Gehirnerschütterung) ist definitiv nicht dabei. In Chemnitz sollen wieder die Probespieler Sandro José und Diego Leon getestet werden.
Von Frank Noack
29.7.2010
Energie und die Angst vor weiteren Verletzungen
Herzlake Energie Cottbus ist wieder in der Heimat. Am Mittwochmittag reiste das Team aus dem einwöchigen Trainingslager in Herzlake zurück in die Lausitz. Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt nicht. Am Freitag steht das nächste Testspiel für den Zweitligisten auf dem Programm.
Wer am Freitag um 17.30 Uhr in Chemnitz auflaufen kann - FCE-Trainer Claus-Dieter Wollitz wollte und konnte sich in Herzlake noch nicht festlegen. Denn der kleine Kader lässt derzeit kaum taktische Planspiele zu. Beispiel Nils Petersen: Der leicht angeschlagene Torjäger bräuchte einerseits eine Pause. Andererseits ist er im Moment der einzige Angreifer im Kader mit halbwegs ordentlicher Form. »Petersen müssten wir eigentlich schonen. Ich habe einfach Angst, dass noch mehr passiert«, sagt Wollitz.
Als Petersen-Ersatz käme normalerweise Sergiu Radu infrage. Aber der einstige Publikumsliebling fand auch während des Trainingslagers in Herzlake nicht aus seinem persönlichen Tief. Auf die Frage, welche Perspektive Radu in Cottbus hat, antwortet Wollitz ausweichend. Er setze »perspektivisch auf alle Spieler, die uns Erfolg bringen«. Doch kann Radu noch Erfolg bringen? Denn er ist erwiesenermaßen ein Konterspieler. Wollitz dagegen setzt auf Spielkontrolle und Ballbesitz. Er sagt deshalb klipp und klar: »Radu trainiert mit und bekommt seine Einsätze. Aber letztlich ist es so, dass ich als Trainer für ein ganz bestimmtes Konzept stehe und nicht nur die Bälle lang nach vorn schlagen lasse.« Das hört sich nach einem leisen Abschied für Sergiu Radu an, der den FCE in der Saison 2006/07 mit insgesamt 14 Toren zum Klassenerhalt geschossen hat.
Von Frank Noack
28.7.2010
Brzenska: „Der Kader ist sehr klein“
Markus Brzenska, Sie gehören zu den wenigen erfahrenen Spielern im Team. Wie fällt IhreTrainingslager-Bilanz aus?„Die beiden Niederlagen gegen Münster und Oldenburg haben schonungslos offenbart, dass der Kader sehr klein ist.
Wir haben zwar zwölf, 13 gute Spieler. Aber das reicht nicht für 34 Spieltage. Ich werde deswegen aber nicht unruhig. Im Grunde genommen wussten wir doch vorher, dass die Mannschaft des Trainingslagers nicht die Mannschaft für die neue Saison ist. Ich hoffe jetzt auf weitere Verstärkungen, damit der Konkurrenzkampf größer wird.“
28.7.2010
„Wir haben es zu gut gemeint“
Herzlake Nach einer Woche im Trainingslager in Herzlake kehrt der FC Energie an diesem Mittwoch nach Cottbus zurück. Im Gepäck hat Trainer Claus-Dieter Wollitz große personelle Sorgen. Im RUNDSCHAU-Interview spricht er über die Probleme beim Umbruch und die schwie rige Suche nach Verstärkungen. Seine Forderung: Mindestens vier neue Spieler müssen her.
Herr Wollitz, wo liegen aus Ihrer Sicht die Hauptprobleme?
Wie haben am 28. Juni mit Stiven Rivic einen wichtigen Spieler verkauft. Emil Jula ist verletzt und Jiayi Shao noch nicht fit. Ersetzt haben wir sie mit drei Oberliga-Spielern. Das ist ein enormer Qualitätsverlust. Dann hast du keinen Rhythmus, keine Ball zirkulation und keine Laufwege - du hast gar nichts. So deutlich muss man das sagen.
Aber die Mannschaft hat doch beim 1:1-Remis gegen Lubin ein gutes Spiel gemacht.
Stimmt, sie hat alles aus sich rausgeholt. Am Samstag (0:1 gegen Preußen Münster/d. Red.) konnte sie die Müdigkeit noch einigermaßen kompensieren. Aber am Sonntag (4:5 gegen den VfB Oldenburg/d. Red.) war sie dann kräftemäßig am Ende. Wenn wir einige erfahrene Spieler draußen lassen, dann reicht es selbst in so einer Partie nicht.
Hat Sie diese Niederlage gegen den Fünftligisten Oldenburg auch persönlich getroffen?
Ja, total. Einige Spieler sind seit einem Jahr dabei und wollen Profi sein - aber das müssen sie auch zeigen. So ein Spiel darf einfach nicht passieren.
Diese Kritik richtet sich vor allem an die Adresse der jungen Spieler im Team?
Spieler wie Marc Zimmermann und Heiko Schwarz haben einfach nicht die Perspektive, Zweitliga-Profi zu werden. Auch von Velimir Jovanovic kommt zu wenig. Wir werden uns deshalb ab sofort auf Clemens Fandrich, Adam Straith, Alexander Bittroff und Nils Miatke konzentrieren. Alles andere nimmt uns zu viel Qualität weg. Das kostet Zuschauer und es kostet Sponsoren. Menschlich tut es mir für die Spieler leid. Aber ich habe auch eine Verantwortung gegenüber dem Verein.
Und was ist mit dem Umbruch?
Wir stehen weiterhin dazu, dass wir eine neue Identität mit jungen Spielern schaffen wollen. Aber diese Identität geht nicht von heute auf morgen. Ich muss selbstkritisch sagen: Vielleicht hätte ich einigen jungen Spielern eher den Spiegel vor das Gesicht halten müssen. Mit einigen haben wir es zu gut gemeint. Wir können einfach nicht zehn oder zwölf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs mitnehmen. Diese Überzeugung ist fehlgeschlagen.
Klar ist, dass Verstärkungen her müssen. Warum gestaltet sich die Suche so schwierig?
Wir wollen keinen Schnellschuss machen. Die Spieler, die wir holen, müssen sofort passen. Wir brauchen jetzt keine Ergänzungsspieler mehr. Wir brauchen Spieler, die schon gezeigt haben, dass sie in dieser Liga zurechtkommen. Diese Spieler müssen wir dann wieder zu ihrem alten Leistungsniveau zurückbringen.
Für welche Positionen suchen Sie nach neuen Spielern?
Wir suchen weiterhin zwei Offensivspieler für die Außenbahnen. Und auch im Mittelfeld sowie in der Innenverteidigung müssen wir noch nachlegen. In der Innenverteidigung ist nur Markus Brzenska stabil. Uwe Hünemeier braucht noch drei, vier Monate. Er muss vor allem zweikampfstärker werden.
Wie also fällt Ihre Bilanz aus?
Bis Samstagmittag hatten wir eine Riesenstimmung - dann kam das Spiel gegen Münster. Ich kann den ganzen Laden nicht immer euphorisch begleiten und die Stimmung hochhalten. Es ist ein Geben und Nehmen.
Wie meinen Sie das konkret?
Wenn ich am Samstag gegen ein unterklassiges Team verliere, dann erwarte ich am Sonntag einfach einen Sieg. Egal, wie er zustande kommt. Viele Spieler haben leider in dieser Partie gezeigt, dass sie nicht mal Ergänzungsspieler sind. Das ist ärgerlich.
Mit Claus-Dieter Wollitz
sprach Frank Noack
27.7.2010
„Torhüter sind Einzelkämpfer“
Herzlake. Ronny Zeiß (38) ist seit Anfang des Jahres Torwart Trainer im Profiteam von Energie Cottbus. Der Gröditzer löste Antonio Ananiev ab.
Zeiß betreut zwar auch weiterhin die jungen Torhüter der U 13 bis U 17. Der Schwerpunkt liegt jedoch bei den Zweitliga-Keepern. Im Trainingslager in Herzlake arbeitet Zeiß jeden Tag intensiv mit den beiden Neuzugängen Thorsten Kirschbaum und René Renno sowie der kanadischen Nachwuchshoffnung Julien Latendresse. »Obwohl Torhüter natürlich zur Mannschaft gehören, sind sie dennoch Einzelkämpfer. Deshalb benötigen sie auch ein besonderes Training«, betont Zeiß.
Eine Neuerung, die er als Torwart-Coach eingeführt hat: Teile der Übungseinheiten mit den Keepern nimmt Zeiß per Video auf. Später werden dann gemeinsam die Aktionen analysiert.
Für die RUNDSCHAU stellt Energies Torwart-Trainer die Stärken und Schwächen sowie auch den Charakter der Keeper vor, die in der kommenden Saison der 2. Fußball-Bundesliga im Cottbuser Kader stehen.
Zeiß über Thorsten Kirschbaum (23): »Ein lustiger Zeitgenosse und positiver Mensch. Aber ,Kirsche' kann auch sauer werden - wenn du ihm den Ball ins Tor knallst. Er hat die Fähigkeit, im richtigen Moment Ehrgeiz zu entwickeln. Er besitzt alle Anlagen, die ein moderner Torhüter haben muss. Er ist ein sehr ordentlicher Fußballer, spielt die Bälle präzise nach vorn. Ihm fehlt natürlich noch Erfahrung, die muss er jetzt sammeln. Auch im Umgang mit Fehlern.«
Zeiß über René Renno (31): »Er hat sich vom ersten Tag an als sehr sympathischer Mensch präsentiert. Ein Fußballverrückter, der immer Gas geben will. Er ist ein Torhüter der alten Schule. Seine Stärken liegen auf der Linie. Ich bin überzeugt, dass er genau die Rolle ausfüllen kann, die wir in der jetzigen Konstellation brauchen. Er soll hart trainieren und Thorsten Kirschbaum Druck machen, sich aber auch mit der Position der Nummer zwei arrangieren können.«
Zeiß über Julien Latendresse (19): »Der Junge ist ungemein ehrgeizig im Training. Außerhalb des Rasens ist ,Latte' dagegen zurückhaltend, was sicher auch daran liegt, dass er als Kanadier die deutsche Sprache noch nicht so gut beherrscht. Ich sehe ihn auf Augenhöhe mit Marvin Gladrow, der ja wegen einer Verletzung zu Hause bleiben musste. Beide haben ihre Stärken in der Reaktionsfähigkeit auf der Linie, müssen jedoch noch hart an ihrem Körper arbeiten.«
27.7.2010
Tränen
Der Himmel über Herzlake hatte ein feines Gespür für die Stimmung im Trainingslager von Energie Cottbus: Es regnete am Montag nahezu ununterbrochen. Nach der Blamage tags zuvor beim VfB Oldenburg war auch so manchem Spieler zum Heulen.
Sage und schreibe fünf Gegentore gegen einen Fünftligisten – welch eine Blamage. Entsprechend gedrückt war natürlich die Stimmung im FCE-Tross hier im Hotel Aselager Mühle in Herzlake. Ein verlässlicher Indikator ist übrigens die idyllische Terrasse im Grünen, wo die Spieler nach dem Abendbrot gern noch einen Espresso trinken und miteinander plaudern. Ist die Terrasse gut gefüllt, ist auch die Stimmung gut. Am Sonntagabend nach dem denkwürdigen Spiel gegen Oldenburg war weit und breit kein einziger FCE-Profi mit Espresso zu sehen. Jeder wollte die Blamage erst einmal für sich verarbeiten.
27.7.2010
„Kirsche“ fliegt mit Vorsprung
Herzlake. Normalerweise ist Saisonvorbereitung die Zeit des harten Konkurrenzkampfes im Tor. Energie Cottbus dagegen hat sich diesmal schon frühzeitig auf Thorsten Kirschbaum als neue Nummer eins festgelegt. An diesem Plan hält Trainer Claus-Dieter Wollitz trotz der Gegentore in Oldenburg fest.
Wie immer, wenn er so richtig in Fahrt kommt, sind die Kommandos von Chefcoach Claus-Dieter Wollitz nicht zu überhören. »,Kirsche', du lässt heute keinen rein«, feuert er Thorsten Kirschbaum auf dem Trainingslatz an. Während der Torhüter von einer Ecke in die andere springt und ihm die Bälle nur so um die Ohren fliegen, schiebt Wollitz gleich noch ein verbales Ausrufezeichen hinterher: »Verstehst du, keinen!«
Natürlich versteht Kirschbaum, auch wenn er seinen Trainer in diesem Moment vermutlich nicht hört. Der erst 23-jährige Keeper kennt seine Aufgabe: Er soll wie im Training auch in der kommenden Saison so wenig wie möglich Bälle rein lassen.
Am Sonntag bei der 4:5-Blamage beim Fünftligisten VfB Oldenburg klappte das, um es vorsichtig zu formulieren, nicht ganz. Allerdings: Einen echten Klops hat sich Kirschbaum trotz der fünf Gegentore nicht geleistet. Es war eine undankbare Aufgabe - jeder Schuss ein Treffer. Klar, er hätte auch einen Unhaltbaren halten können, findet Wollitz. Der Coach sagt aber auch: »Kirschbaum ist die Nummer eins.«
Einen Konkurrenzkampf im herkömmlichen Sinne gibt es diesmal also nicht. Thorsten Kirschbaum fliegt mit Vorsprung durch die Saisonvorbereitung. Und doch muss sich der Youngster in der 2. Bundesliga erst beweisen. Der Franke galt beim SV Sandhausen zwar als einer der besten Drittliga-Torhüter, Erfahrung eine Etage höher besitzt er aber nicht. »Natürlich wird Kirschbaum auch Fehler machen. Aber er besitzt unser vollstes Vertrauen«, betont Wollitz.
Als Vertrauen bildende Maßnahme ist auch die Zusammensetzung des Torwart-Teams für die kommende Saison zu werten. Energie hat ausdrücklich nach einem erfahrenen Keeper gesucht und ihn in René Renno (31 Jahre) gefunden. Der gebürtige Berliner weiß laut Wollitz, dass er »als Nummer zwei geplant« ist. Renno kennt diese Rolle von seinem letzten Arbeitgeber. Auch beim VfL Bochum hat er nur selten gespielt. Er soll Kirschbaum Druck machen und sich anbieten, ohne dabei seine Ansprüche zu laut zu formulieren - eine Gratwanderung für einen ehrgeizigen Profisportler. Doch Rennos Referenzen besagen, dass er diese Gratwanderung in Bochum perfekt hinbekommen hat, was letztlich der ausschlaggebende Grund für seine Verpflichtung durch den FCE gewesen sein dürfte.
Komplettiert wird das Torwart-Team durch Julien Latendresse (19) und Marvin Gladrow (20). Auch sie kennen ihre Rolle. Latendresse, der als Nummer drei im Trainingslager ist, und Gladrow sind Lehrlinge, sollen perspektivisch aufgebaut werden. Eines gilt jedoch auch für sie: Keinen Ball reinlassen, keinen!
26.7.2010
Patient in kritischem Zustand
Herzlake. Ein Remis und zwei schmerzhafte Niederlagen: So unbefriedigend wie die Testspiel-Resultate im Trainingslager fällt auch die Zwischenbilanz über die aktuelle Leistungsstärke des FC Energie Cottbus aus. Der Patient FCE befindet sich in einem kritischen Zustand. Mit dem derzeitigen Kader hätte er es schwer, in der 2. Liga zu bestehen.
Es war am Samstag auf der schmucken Sportanlage von Grün-Weiß Schwagstorf wie immer, wenn sich ein Zweitligist gegen ein unterklassiges Team blamiert: Ein bisschen Häme unter Fußballfans gehört dazu. Und so fragte mancher bei Bier und Bratwurst ganz offen: Wie will denn dieses Team in der 2. Bundesliga bestehen? Energie hatte gerade sein Testspiel gegen den Viertligisten Preußen Münster mit 0:1 (0:1) verloren - und das keineswegs unverdient. Weil Cottbus erbärmlich in die Partie startete, sich dann zwar steigerte, aber eben keine Tore schoss.
Am Sonntag beim Fünftligisten VfB Oldenburg gab es dann Bier und Fischbrötchen, die Sprüche nach Spielende jedoch waren die gleichen. Dort verlor der FC Energie nach sage und schreibe 0:4-Rückstand mit 4:5. Besonders in der ersten Hälfte blamierte sich der FCE bis auf die Knochen. Die extrem junge Mannschaft zeigte sich überfordert, den wenigen älteren Spielern auf dem Feld waren die Strapazen der Saisonvorbereitung deutlich anzumerken. So wechselte Trainer Claus-Dieter Wollitz bereits nach 15 Minuten Angreifer Marc Zimmermann aus und schimpfte später: »Einige sind über den Platz getrabt, andere haben sich wie Schüler ausspielen lassen.«
Tja, kann diese Mannschaft also in der 2. Bundesliga bestehen? »Wir sind mit den vielen jungen Spielern perspektivisch gut aufgestellt. Aber wir brauchen dringend noch Verstärkungen und auch die Verletzten fehlen uns sehr«, bilanziert Trainer Wollitz. Drei Wochen vor dem ersten Pflichtspiel im DFB-Pokal ist deshalb nur soviel klar: Gegen die TuS Heeslingen wird eine ganz andere Mannschaft auf dem Rasen stehen. Einerseits, weil verletzte Spieler wie Emil Jula (Achillessehne) und Jiayi Shao (Sprunggelenk) dann hoffentlich fit sind. Und andererseits, weil der Trainer fieberhaft nach Verstärkungen sucht. Neben zwei Außenspielern und einem Stürmer wird jetzt sogar darüber nachgedacht, auch noch einen Mann für das zentrale Mittelfeld zu holen. Nach den ernüchternden Leistungen der zweiten Garde muss Wollitz seinen Kader wohl zudem auch noch in der Breite verstärken.
Wie dünn die Personaldecke ist, bekam der FCE schonungslos aufgezeigt. Gegen Oldenburg musste Energie das Spiel gar in Unterzahl zu Ende bringen. Nils Petersen hatte sich verletzt (70.) und alle spielfähigen Akteure waren bereits eingewechselt. Dass der FCE danach zu zehnt wenigstens noch zum zwischenzeitlichen 4:4 ausglich, konnte Trainer Wollitz nicht versöhnen. Er konstatierte: »So eine Leistung kann man nicht akzeptieren.«
Tatsächlich muss man in der Patientenakte des FCE notieren: Ohne Impulse, meist bieder und einfallslos. Sich bei der Genesung allein auf die beiden neuen Außenverteidiger Kolja Afriyie und Takahito Soma zu verlassen, die sich am Donnerstag beim 1:1 gegen Zaglebie Lubin als belebende Elemente erwiesen hatten, ist riskant. Deshalb ergriff Wollitz direkt erste Sofortmaßnahmen: Er sagte den für Sonntag geplanten Mannschaftsabend kurzerhand ab. Wer krank ist, kann halt nicht feiern.
26.7.2010
Neuzugang Soma: Viele Flanken
Herzlake. Neuzugang Takahito Soma hat sich im Trainingslager in Herzlake endgültig ins Team gespielt. Nachdem er im Lauftrainingslager in Rotenburg noch wegen der Sorgen um seinen gesundheitlichen Zustand gehandicapt war, legt der 28 Jahre alte Japaner nun richtig los. Seine Stärke ist die Übersicht am Ball, mit der er sich auch aus komplizierten Situationen befreien kann. Zudem hat Soma als Linksverteidiger das Flügelspiel auf dieser Seite deutlich belebt. Dank seiner Schnelligkeit ist er in der Lage, die entscheidenden Meter zu gewinnen und die Flanke präzise nach Innen zu bringen. Allerdings musste der Japaner am Abend einen Rückschlag hinnehmen. Er kam mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ins Krankenhaus.
26.7.2010
Routinier Radu: Keine Bindung
Herzlake. Ausgerechnet Routinier Sergiu Radu bleibt das große Sorgenkind. Denn der 32-Jährigen ist nur noch ein Schatten seiner einstigen Leistungsstärke. Ihm fehlt das Selbstvertrauen und im Spiel auch die Bindung zu seinen Nebenleuten. Das grundlegende Problem ist taktischer Natur. Radu ist eigentlich ein Konterspieler. In diesem System erzielte er in der Saison 2006/07 insgesamt 14 Bundesliga-Treffer. Unter Coach Claus-Dieter Wollitz ist das System jedoch auf deutlich mehr Spielkontrolle ausgelegt. Energie will agieren und nicht nur reagieren. Radu konnte bislang noch nicht nachweisen, dass er in dieses neue System passt. Die Rückholaktion des Stürmers mit Vertrag bis 2012 droht zum Missverständnis zu werden.