Als der DTSB-Bundesvorstand 1965 beschloß, die Fußballmannschaften aus den Sportclubs herauszulösen, um dem Fußballsport ein neues Gesicht zu geben wurden auch die Fußballer des SCC unter ein eigenes Kommando gestellt. So wurde am 31. Januar 1966 unter Leitung des Braunkohle-Kraftwerks Jänschwalde eine "Betriebssport-Gemeinschaft" gegründet. Den Namen "Energie" bekam die neue BSG von Bodo Krautz, einem von 450 Lausitzer Sportinteressierten, die an der Namensfindung für die Cottbuser Fußballer teilnahmen.
In den Nachmittagsstunden des 7. Juli 1973 bescherte Klaus Stabach dem treuen Cottbuser Publikum mit seinem Treffer aus 20 Metern ins obere Eck zum 1:0 (Endstand 1:1) gegen Stralsund die erste große Sternstunde und damit den Oberligaaufstieg. Die folgende Oberliga-Serie brachte eine Zuschauer-Explosion. Zuschauerzahlen jenseits der 10.000, die man bis dato nur von den Derbys gegen Vorwärts Cottbus kannte, wurden zur Tagesordnung. Daß Lehrjahre keine Herrenjahre sind, mußten auch die frischgebackenen Oberligakicker im Verlauf der Spielzeit erfahren. Bei keinem der 13 Heimspiele gingen die Cottbuser als Sieger vom Platz, welches sicher ein Hauptgrund für den am Ende der Saison enttäuschenden 14. Tabellenplatz und dem damit zusammenhängenden Abstieg war.
Bis 1981 mußten sich die Energie-Fans wieder nur zu DDR-Liga-Kost trösten. Dreimal in Folge erreichte man die Aufstiegsrunde, doch erst 1981 gelang der Aufstieg. Nach einem schlechten Start in die folgende Oberliga-Saison reichte die Steigerung nach der Winterpause wiederum nicht für den Klassenerhalt, aber doch für einen kleinen Erfolg. Im Viertelfinale des FDGB-Vereinspokals kam es zu der Begegnung Energie Cottbus - HFC Chemie Halle. Auf 20 cm Neuschnee konnte Energie dank einer überragenden Leistung von Torwart-Legende Andreas Wendt mit 2:1 nach Verlängerung die Partie für sich entscheiden. Im Halbfinale stutzte Dynamo Dresden mit einem 4:1 die Flügel der Cottbuser Pokal-Überflieger.
Nach dem Abstieg brachen die Energie-Kicker auch in der Liga ein. Unter Trainer Günter Guttmann war man sogar auf einem Abstiegsplatz in Richtung Bezirksliga gelandet, als 1984 eine neue Ära im Energie-Fußball anbrach. Mit Neutrainer Fritz Bohla kam eine 180-Grad-Wendung. Gleich im ersten Spiel deklassierte das Team den Tabellenersten und haushohen Favoriten Union Berlin mit 4:1. Energie wurde am Saisonende noch 2. hinter Oberliga-Aufsteiger Union. Dennoch dauerte es bis 1986 ehe Energie im Oberhaus erneute Aufnahme fand. Im entscheidenden Spiel gegen Neubrandenburg vor 11.000 Zuschauer auf der "Baustelle" Stadion der Freundschaft, siegte Cottbus sicher mit 4:0.In der Saison 1986/87 fiel die Entscheidung um den Abstieg erst am letzten Spieltag. Mehr als Tausend Energie-Fans begleiteten ihr Team zum Spiel bei Stahl Brandenburg. Trotz eines mühsam erkämpften 1:0-Sieges in der Stahlstadt sollte es nicht zu einem weiteren Oberliga-Jahr reichen. Der Grund: Zeitgleich erreichte Stahl Riesa mit freundlicher Hilfe des 1. FC Lok Leipzig ein 1:1 im Leipziger Bruno-Plache-Stadion und stand in der Endabrechnung dank der besseren Tordifferenz vor Energie.
Im Spieljahr 1989/90 wurde noch einiges draufgesetzt. Kein einziges Spiel verloren die Cottbuser auf ihrem eigenen magischen Rasen- das garantierte auch die drittbesten Zuschauerzahlen der Liga hinter Dresden und Rostock. Rang 7 in der Endabrechnung der Oberliga brachte auch erstmals eine Teilnahme in einem internationalen Wettbewerb, dem IF-Cup, wo man den frischgebackenen DFB-Pokalsieger Kaiserslautern mit 4:0 vom Platz fegte. Im entscheidenden Jahr konnte die positive Entwicklung nicht fortgesetzt werden. Während andere sich den Weg in die 1. und 2. Bundesliga bahnten wurde der gerade neu gegründete FC Energie Cottbus drittklassig.
Fast die gesamte Mannschaft suchte sich einen neuen Verein bis in die untersten Spielklassen Deutschlands. Nur Jens Melzig und Jörg Schwanke (übrigens der einzige DDR-Nationalspieler von Energie) schafften mit Dresden bzw. Bochum den Sprung in die 1. Bundesliga. Das der Sturz verkraftet wurde, dafür sorgten viele ehemalige Energie-Nachwuchsspieler die vom Serienmeister BFC Dynamo zum ehemaligen "Lieferanten" zurückkehrten. Der 1991/92 erreichte dritte Rang (hinter Union Berlin und dem 1. FC Magdeburg) in der NOFV-Oberliga Mitte war einer positiven Überraschung gleichzusetzen. 1992/93 gelang dieses Kunststück erneut und noch einmal war Energie in aller Munde. Energie Cottbus wurde mit über 100 Toren der beste Sturm Deutschlands.
Die Saison 1993/94 beendete Energie als Tabellenzweiter und hatte damit das Anrecht die Aufstiegsspiele zur 2. Bundesliga zu bestreiten. Das dies wohl sehr überraschend kam, sah man daran, das Energie gegen die Konkurrenz aus Zwickau und Brandenburg nicht einen Punkt holen konnte.Zu Beginn der neu gegründeten Regionalliga machte der Verein einen harten Schnitt - verpflichtete mit Eduard Geyer einen in der DDR anerkannten und erfolgreichen Trainer.
Im ersten Regionalligajahr schwankten die Leistungen zwischen Heim- und Auswärtsauftritten derart stark, daß an eine ordentliche Plazierung nicht zu denken war. Während die Cottbuser bis zum 31. Spieltag auf gegnerischem Platz ungeschlagen blieben, gelangen nur 5 magere Heimsiege. Mit großem Punktabstand zur Spitze lief der FCE als siebter ins Ziel.
Nach dem erstmaligen Landespokal-Gewinn von 1995 trat Cottbus auch erstmals im DFB-Pokal in Erscheinung. Doch gegen den SV Meppen wurde der Respekt erst in der letzten halben Stunde abgelegt - das reichte nur zum 1:2-Anschlußtreffer durch Kubis.
Nachdem bereits im Herbst 1995 der Staffelsieg verspielt wurde begannen den Energie-Kickern ohne Aufstiegsdruck plötzlich Flügel zu wachsen. Nach einem 0:1 in Dresden vom 10. Februar starteten die Lausitzer eine beinahe unheimliche Serie. Ungeschlagen absolvierte der FCE 57 Pflichtspiele in Folge. Erst mehr als ein Jahr nach der letzten Niederlage, am 11. Mai 1997 mußte sich Energie erstmals wieder geschlagen geben - von Dynamo Dresden. Doch zu diesem Zeitpunkt war Energie schon Regionalliga-Meister 1996/96 - mit einem perfekten Start-Ziel-Sieg.
Noch mehr deutschlandweite Beachtung fanden allerdings die Auftritte im DFB-Pokal. Als zweiter Amateur und erster ostdeutscher Vertreter in der Geschichte des DFB-Pokals qualifizierte sich der FC Energie Cottbus für das Finale im Berliner Olympiastadion. Nach Siegen gegen die Stuttgarter Kickers, den VfL Wolfsburg, MSV Duisburg, FC St. Pauli spielte sich der FCE im Halbfinale in die Herzen aller deutschen Fußballfans. Dichtes Schneetreiben mitten im April und ein grandioser 3:0-Sieg gegen den Karlsruher SC ließ ganz Cottbus feiern. Gegen den VfB Stuttgart verloren die tapferen Cottbuser zwar das Finale in Berlin aber nicht das Gesicht, denn die eigentliche Krönung für Energie war schon erfolgt.
Nachdem vom Deutschen Fußball-Bund festgelegt wurde, daß der Meistertitel der Regionalliga nicht automatisch zur Qualifikation der 2. Bundesliga reicht, mußte Energie erst in zwei Relegationsspielen überzeugen. Das Hinspiel bei Hannover 96, das ebenso wie Energie seine Liga, die Regionalliga Nord, dominierte, sahen 55.000 Zuschauer im ausverkauften Niedersachsenstadion. Ein in Unterzahl erkämpftes 0:0 brachte die Lausitzer in eine vorteilhafte Position. 20.000 euphorische Fans im Cottbuser Stadion der Freundschaft bangten und feierten dann eine Woche später mit dem FC Energie im Rückspiel. Mitte der zweiten Halbzeit beim Stand von 1:1 versagte die gerade erst gut einen Monat alte Flutlichtanlage ihren Dienst. Eine Geschichte um die sich noch heute - vor allem in Hannover - die schönsten Gerüchte ranken, die der Fußball ebenso schreibt. Am Ende war es aber wohl doch nur eine Starkstrom-Sicherung, deren Austausch sich hinzog. Kaum als das Licht wieder funktionierte mußte Energie-Kapitän Melzig den Platz mit Gelb-Rot verlassen und keine Minute später ballerte Detlef Irrgang den FC Energie in Führung. Der "Fußballgott" ließ kurz vor dem Ende das 3:1 in seiner eigenen unglaublichen Manier folgen und schoss die Lausitz die 2. Bundesliga.Trotz einiger Anfangssorgen, mit mehreren schwerwiegenden Abgängen und unbekannten Zugängen, überstand der Lausitzer Club seine erste Zweitliga-Saison unbeschadet. Zum Saisonabschluß feierten die Fans einen sehr guten 8. Tabellenplatz, der allerdings über einige Ungereimtheiten hinwegtäuschte. Äußerst erfolgreich war die Amateurvertretung: Landespokalsieg und Meisterschaft in der Verbandsliga - das Double für die Energie-Amateure.
Die Saison 1998/99 bleibt vielen Fans sicher lange in Erinnerung. Zahlreiche internationale Neuzugänge und viele Verletzungen bei den Leistungsträgern ließen die Spieler des FC Energie lange Zeit keine Mannschaft werden. Lange mußte die Energie-Elf um den Klassenerhalt bangen und stand 3 Spieltage vor dem Saisonende noch auf einem Abstiegsplatz. Das es dennoch klappte, lag an einem fulminanten Saisonfinish mit drei Siegen in Folge. Auswärts gab es für den FCE nicht viel zu holen, aber ausgerechnet der einzige Auswärtssieg der Saison, ein 3:0 bei Fortuna Düsseldorf, sollte Energie den Klassenerhalt sichern. Im DFB-Pokal war schon nach der zweiten Runde Schluß. In einem Heimspiel unterlag man dem Erstligisten von Borussia Mönchengladbach mit 2:4. Die Amateure, die erstmals im Pokalwettbewerb mitmischten, schieden in der ersten Runde gegen die SpVgg. Greuther Fürth aus. Das "Tor des Tages" fiel für die Profis aus Franken erst in der Nachspielzeit. In der Amateur-Oberliga belegte die Mannschaft als Aufsteiger einen hervorragenden vierten Platz und schrammte nur knapp an der Relegation zur Regionalliga vorbei.
Die "Milleniums-Saison" 1999/2000 wird wohl für immer in die Geschichte des Cottbuser und auch des gesamten ostdeutschen Fußballs eingehen.Alles andere als vielversprechend startete der FC Energie in das Abenteuer
"Bundesliga". Gleich zu Beginn hagelte es für die unerfahrene
Energie-Elf Niederlagen. 0 Punkte und 2:10 Tore nach den ersten drei Saisonspielen
- die "Experten" fühlten sich bestätigt. Doch dann kamen
die Lausitzer langsam in Fahrt und ein 2:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt
am 4. Spieltag zeigte: Energie kann mithalten.
Vor allem im heimischen "Stadion der Freundschaft" zeigte der Aufsteiger
fortan sein wahres Gesicht. Selbst Branchenriesen wie Bayern München,
Schalke 04 oder Hertha BSC verließen als Verlierer die Lausitz.
Nur auswärts klappte es beim FCE nicht so richtig. Meist waren die Cottbuser
ein gern gesehener Gast, der mit einer "Packung" zurück in
den Osten geschickt wurde. Zwar wurden die Niederlagen in der Fremde mit der
Zeit knapper, aber mehr als zwei magere Auswärts-Pünkchen (Kaiserslautern,
Wolfsburg) standen zur Winterpause nicht auf der Haben-Seite. Erst am 23.
Februar 2001 sollte der langersehnte Auswärtssieg gelingen - natürlich
dort wo es niemand erwartete. Energie bezwang ausgerechnet Vizemeister Bayer
Leverkusen in der BayArena sicher und verdient mit 3:1. Matchwinner war einmal
mehr Regisseur Vasile Miriuta. Es war eindeutig die Saison des Rumänen
mit ungarischem Pass. Aus einer "Mannschaft der Namenlosen" stieg
Miriuta zum Star empor. Elf Tore - davon sieben direkt verwandelte Freistöße
- und elf Torvorlagen - kein anderer Mittelfeldspieler der Bundesliga war
gefährlicher und effektiver.
Nach dem Sieg in Leverkusen ging es jedoch weiter wie gehabt. Zu Hause ein
deutliches 3:0 gegen Hertha BSC - auswärts vermeidbare Niederlagen in
Bochum, Stuttgart und Rostock. Zwei Spieltage vor dem Saisonende stand der
FC Energie wieder auf einem Abstiegsplatz und zwei Siege waren nötig
um den großen Traum vom Klassenerhalt war werden zu lassen. Die Fans
im fast ausverkauften Stadion der Freundschaft erlebten am 33. Spieltag eine
Zitterpartie gegen den Hamburger SV. Zwar führte Energie schnell mit
2:0, doch die Hamburger schlugen zurück, kamen auf 2:1 und 3:2 heran.
Erst Franklins Knaller zum 4:2 in der 62. Minute sicherte den Sieg. Dank der
Dortmunder Schützenhilfe (4:1 in Unterhaching) stand der FCE wieder auf
Rang 15 - einen Punkt vor den Hachingern.
Mit einem phantastischen Start ging der FC Energie in seine zweite Bundesliga-Saison
und stand nach dem vierten Spieltag (3:2-Sieg bei Hertha BSC) kurzzeitig auf
dem dritten Tabellenplatz. Nur kurz währte allerdings die Freude über
den Aufgalopp des FCE. Es folgten bis zur Winterpause 14 Spiele ohne Sieg
mit lediglich fünf Remis für die Rot-Weißen.
Glück für die Lausitzer, dass die Konkurrenz aus Nürnberg,
Köln und St.Pauli ebenfalls auf der Stelle trat und der Abstand zu den
Nichtabstiegplätzen nie bedrohlich wurde.
Nach dem obligatorischen Wintertrainingscamp im arabischen Dubai, setzte Energie einmal mehr zur Aufholjagd an und fand zu alter Heimstärke - leider auch zu bekannter Auswärtsschwäche - zurück. Sechs Heimsiege in Folge (Bremen, Hertha, Rostock, Schalke, St.Pauli, Freiburg) sowie Punktgewinne gegen Gladbach und in Stuttgart - der in der Hinrunde manchmal für nicht möglich gehaltene Klassenerhalt war bereits am 31. Spieltag geschafft.
Herauszuheben aus einer in der Rückrunde kompakten Mannschaft sind Marko Topic und Vasile Miriuta. Stürmer Topic, bis zum 19. Spieltag ohne Treffer, wurde zum Garanten für den Klassenerhalt. Alle sieben Saisontore erzielte der Bosnier in der Rückrunde. Mittelfeldregisseur Vasile Miriuta, in der ersten Bundesliga-Saison noch bester Torschütze und Vorbereiter des FC Energie, hatte ebenfalls arge Probleme, verchwand sogar teilweise aus der Anfangsformation. Mit Unterstützung der Energie-Fans, die ihren Star nie fallen ließen, schwang er sich zur Höchstform auf. Bezeichnend war hier das Heimspiel gegen Hansa Rostock. Tausende "VASILE" Schilder hoben die Fans in den Abendhimmel. Die "Torglatze" dankte es ihnen - ein Supertor erzielt, zwei Treffer vorbereitet und damit an allen Toren beim 3:0-Sieg beteiligt.Der DFB-Pokal brachte einmal mehr das vorzeitige Aus. Die Amateure als Brandenburgischer Landespokalsieger unterlagen dem späteren Bundesliga-Aufsteiger Arminia Bielefeld mit 0:4, die Profis scheiterten beim drittklassigen KFC Uerdingen mit 0:1.
Mit der nach eigener Aussage "besten Energie-Elf aller Zeiten" ging es ins dritte Bundesliga-Jahr. Allerdings waren die Fans nur kurz vom neuen Energie-Team begeistert. Das 1:1-Remis zum Auftakt gegen den mit etlichen WM-Stars gespickten, Vizemeister, Champions-League- und DFB-Pokal-Finalisten Bayer Leverkusen, wurde hoch angerechnet - was danach passierte, machte Energie zum "hoffnungslosen Fall", wie es Deutschlands Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer beschrieb. Die nackten Zahlen der Hinrunde waren erschreckend: Zwei Siege (3:1 in Hannover, 2:1 gegen Bielefeld), vier Remis und elf Niederlagen, zehn Spiele ohne eigenen Torerfolg, eine Tordifferenz von minus 25 Toren, Tabellenletzter mit neun Punkten Rückstand zum rettenden Ufer - die Fußball-Lausitz lag am Boden.
Um so verwunderlicher, wie die Geyer-Elf in die Rückrunde startete. Einmal mehr sollte das fast magisch anheimelnde Dubai der Auslöser sein. Energie tankte Kraft und Sonne, verabschiedete sich von alten Haudegen (Miriuta, Akrapovic), setzte auf junge Leute (Rost, Schröter, Latoundji), stellte vom Libero-System auf die Vierer-Abwehrkette um und feierte Erfolge.
Vier Siege und ein Remis in den ersten fünf Spielen nach der Winterpause.
Nur ein Gegentor für die umgestellte Abwehr und offensiver, kräftiger
Fußball der in neun Treffern mündete. Ganz Deutschland traute seinen
Augen nicht un Beckenbauer musste vor dem Showdown des meilenweit die Tabelle
anführenden FC Bayern beim besten Rückrundenteam aus Cottbus seine
Aussage vom "hoffnungslosen Fall" zurücknehmen.
Doch "Kaiser Franz" sollte recht behalten. Die 0:2-Heimniederlage
gegen die Münchner hatte jeder eingeplant, und doch sollte sich Energie
in der Folge nicht mehr erholen.
Kamen die Bayern zum falschen Zeitpunkt? Wie dem auch sei, der FC Energie
verschenkte die zum Klassenerhalt nötigen Punkte nahezu. 2:3-Niederlage
in Wolfsburg nach 2:1-Führung, unglückliche 1:3-Niederlage trotz
Torchancen en massé gegen den direkten Konkurrenten Kaiserslautern.
1:3 in Berlin trotz Führung bis zur 75. Minute, 2:3 gegen Stuttgart trotz
des 2:2-Ausgleichs in der 86. Minute, 1:1 gegen Gladbach nach 1:0-Führung
bis zur 83. Minute, 2:2 in Bielefeld nach 2:0-Pausenführung - der Abstieg
sollte immer mehr Gewissheit werden.
Am 32. Spieltag war es dann soweit. Was die meisten schon in der völlig
verkorksten Hinrunde ahnten, wurde Gewissheit. Am 10. Mai 2003 um 17.15 Uhr
ging im Münchner Olympiastadion das Cottbuser Bundesliga-Abenteur nach
drei Jahren zu Ende.
Beinahe Gespenstisch wirkte die nackte Energie-Bundesliga-Statistik. Die 0:3-Pleite beim TSV 1860 München war das 100. Bundesliga-Spiel der Cottbuser. Energie ging als 100. Bundesliga-Absteiger den Weg in die 2. Liga und hatte zu diesem Zeitpunkt genau 100 Punkte gesammelt.
Im Pokal setzte Energie seine Tradition fort, nicht über die zweite Runde hinaus zu kommen. Einem 2:0-Sieg bei Zweitliga-Aufsteiger Wacker Burghausen folgte wenigstens diesmal ein Heimspiel für die pokalgeplagten Fans. Im Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern unterlagen die Lausitzer mit 0:1. Die Energie-Amateure erreichten nach starkem Saisonstart (Tabellenführer nach siebenten Spieltag) unter dem neuen Trainer Detlef Ullrich einen erneut achtbaren Mittelfeldplatz in der Amateur-Oberliga. Einen langen negativen Schatten warf die um Längen verpasste Qualifikation der A-Jugend für die neue Nachwuchs-Bundesliga auf die gesamte Kinder- und Jugendarbeit des Clubs, der ansonsten erneut im Nachwuchsbereich Maßstäbe setzte.
Trotz des Abstiegs startete der FC Energie euphorisch in die neue Zweitliga-Saison.
Mit nur wenig Substanzverlust in der Mannschaft sowie vielversprechenen Neuzugängen
sollte der direkte Wiederaufstieg gelingen. Die Fans strömten nach wie
vor ins Stadion an der Spree, das mit einer neuen überdachten Osttribüne
noch komfortabler wurde. Zur Winterpause stand der FC Energie zurecht auf
einem Aufstiegsplatz und gehörte wohl zu den konstantesten Teams der
Liga. Ein ewiges Auf und Ab in der Rückrunde ließ Energie - auch
dank der schwächelnden Konkurrenz - an der Spitze verharren. Bis zum
32. Spieltag hielt der FC Energie die dritte - zum Aufstieg berechtigende
- Position, dann ging dem Club die Puste aus. Bis zum 1:1 gegen den fast abgestiegenen
VfB Lübeck schweisste der Aufstiegsplatz noch zusammen, was längst
keine Einheit mehr war und im vorletzten Saisonauftritt verspielte Energie
in 90 Minuten endgültig den Aufstieg. Bei der SpVgg Unterhaching unterlag
der FCE völlig verdient nach einer mehr als desolaten Leistung mit 0:2
und musste sich im Anschluss den Protesten der gut 2.000 mitgereisten Anhänger
stellen. Allen war trotz der weiter bestehenden theoretischen Aufstiegsmöglichkeit
klar, dass der Zug in Richtung Bundesliga ohne Energie Cottbus abgefahren
war. Mit einem klaren 3:0 über Regensburg beendeten die Lausitzer die
Spielzeit wenigstens versöhnlich, auch wenn der Stachel der Enttäuschung
zu tief saß um ihn mit einem gelungenen Auftritt endgültig zu entfernen.
Einzig der Nachwuchs sorgte wieder für positive Schlagzeilen. Allen voran
glänzte die B-Jugend des FCE, die Deutscher Vizemeister wurde. Die A-Jugend-Mannschaft
des FC Energie erreichte nach einer überragenden Saison den im Vorjahr
verpassten Bundesliga-Aufstieg.
Trotz des Ligaverbleibs stand die neue Führungsriege vor einem Scherbenhaufen.
In Windeseile leitete das neue Präsidium alle nötigen Schritte für
das Lizensierungsverfahren ein und schaffte es - die Lizenzauflagen waren
in kürzester Zeit erfüllt und der Neubeginn konnte endgültig
vonstatten gehen. Petrik Sander - nach dem erfolgreichen Klassenerhalt bekam
er das Vertrauen der Fans und Vereinsführung - veränderte den Kader
grundlegend. Er reduzierte die Anzahl der Spieler und baute um ein festes
Gerippe von Leistungsträgern eine nahezu neSchnell setzte sich Energie
im oberen Tabellendrittel fest und überzeugte wie nie zuvor im Profifußball
in fremden Stadien. Der ehemals gern gesehene Gast aus Cottbus war am Ende
die zweitbeste Auswärtsmannschaft der Liga. Bezeichnend, dass man die
40-Punkte-Grenze auswärts überschritt, bereits 10 Spieltage vor
Saisonende.
1. Bundesliga 2006 - 2009
Entgegen der ersten Cottbuser Bundesliga-Ära verstärkte Sander
seine Elf nach dem Aufstieg nur punktuell und setzte auf die Cottbuser Aufstiegshelden.
Dieser Plan sollte von Beginn an aufgehen. Vor allem die Auswärtsstärke
behielt die Energie-Elf bei. Schon im 2. Auswärtsauftritt gingen die
Lausitzer bei Mitaufsteiger Bochum als Sieger vom Platz, gewannen insgesamt
fünf Auswärtsspiele - unter anderem in Berlin und Dortmund. Im heimischen
Stadion der Freundschaft rollte der Ball dagegen nicht immer locker. Das typische
Energie-Spiel, mit überfallartigen Kontern aus einer tiefen Defensiv-Stellung
heraus, funktionierte auf gegnerischem Grund zuweilen besser als auf eigenem
Platz. Immerhin sechsmal durften die Energie-Fans nach Heimspielen die volle
Punktzahl bejubeln, ebenso oft nahm aber der Gegner die drei Punkte an sich.
So genial Radu und Munteanu in der Bundesliga harmonierten, so klar war auch, dass finanzstärkere Bundesligaclubs (und das sind fast alle) die Fühler nach dem Rumänen-Duo ausstrecken. Trotz bestehender Verträge waren beide Spieler nicht in Cottbus zu halten. Der Verkauf des Doppelpacks nach Wolfsburg brachte dem FCE erstmals in der Geschichte einen Transfererlös mehrerer Millionen Euro. Die eigenen Transferausgaben für Radu und Munteanu dürften die Cottbuser damit mindestens verzehnfacht haben. So leid es den Fans um die ihre beiden Lieblinge tat, so sehr ist ein Transfer wie dieser auch Chance für den Verein.
Entsprechend ging im Sommer 2007 Manager Steffen Heidrich weltweit auf Einkaufstour um das Energie-Konzept weiter zu verfolgen. Der Weg der beiden Rumänen hatte sich unter den osteuropäischen Fußballprofis längst rumgesprochen, Energie ist eine Adresse zum Einstieg in die große Fußballwelt geworden.
Dass Energie am 10. Mai 2008, einen Spieltag vor Ende der Saison 2007/08, mit einem 2:0-Sieg gegen den Hamburger SV den erneuten Klassenverbleib feiern konnte, verwiesen die meisten Fußballinteressierten in ganz Deutschland lange Zeit ins Reich der Utopie.